Meine Top-10-Trainingsprinzipien für Trainings, die nachwirken

1. Erkläre den Sinn des Trainings.

Das Gehirn sucht nach Sinn und verarbeitet das, was an die schon aktivierten neuronalen Netzwerke anknüpfungsfähig ist.

Dieser Sinn muss auf zwei Ebenen vermittelt werden:

Erstens müssen beide, also der Auftraggeber und der Trainer, den Sinn verstehen, aufeinander abstimmen und vermitteln, besonders bezogen auf die Entwicklungssituation des Unternehmens, z.B. “Wir möchten eine offene Kommunikationskultur (erhalten oder schaffen) und deshalb beschäftigen wir uns mit konstruktiven Konfliktlösungsstrategien”.

Zweitens erlebt der Teilnehmer diese Sinnstiftung idealerweise danach im Unternehmen und kann das Gelernte dadurch festigen.

Konsequenterweise sollten Trainings zu Kultur- und Kommunikationsthemen daher quer durch alle Hierarchieebenen und Fachbereiche durchgeführt werden.

2. Gestalte das Lernen als organischen Wachstumsprozess.

Wir lernen insbesondere durch die Verstärkung und Abschwächung der Synapsen (Synaptogenese). Das braucht Zeit und Bedingungen, die das Wachstum der Synapsen fördern, wie zum Beispiel ausreichend Schlaf und Bewegung und ein Ansprechen von mehreren Sinnesorganen.

Deshalb dürfen nicht zu viele Lernerfahrungen auf einmal stattfinden, denn dann konkurrieren die Synapsen um neuronale Wachstumsfaktoren. Ein Teil der Lernerfahrungen werden dann schlicht wieder gelöscht.

Weniger ist hier dann entsprechend mehr.

3. Schaffe eine soziale Situation, denn das Gehirn ist sozial.

Der Begriff des “Social Brain” bedeutet: Wir sind besonders motiviert, wenn wir etwas mit Menschen zusammen machen, zu denen wir eine zwischenmenschliche Verbindung haben.

Daraus folgt: Es lohnt sich, der Trainingsgruppe genügend Gelegenheit zum “Warming” zu geben. Dann entsteht Vertrauen und Offenheit und die Teilnehmer können bei der Inhaltsvermittlung viel besser den Bezug zu ihrer konkreten Arbeitswelt herstellen. Außerdem erfahre ich als Trainerin, wo die Gruppe steht und kann die Themen entsprechend anpassen und vertiefen. Ganz wichtig für mich: Die Teilnehmer sollten sich für ihre Zusammenarbeit Spielregeln geben, um zu erfahren, was sie gemeinsam als Gruppe brauchen, z.B. Vertraulichkeit, wertschätzender Umgang, Handy aus etc..

Ein weiterer Vorteil: Wenn das Training Change- und Kulturveränderungsprozesse im Unternehmen begleiten soll, kommt es in der Gruppe zu einer sozialen Verstärkung, die die Kultur des Unternehmens in positiver Weise prägen wird.

4. Nimm die Teilnehmer mit, die schon mehr wissen und achte auf die Entwicklungsreife der Teilnehmer.

Nichts langweilt und frustriert mehr, als sich bekannte Inhalte noch einmal anhören zu müssen. Gleichzeitig sehe ich mich als Trainerin vor der Herausforderung, alle Teilnehmer auf einen Stand zu bringen, damit alle die nötigen Grundlagen für das weitere Programm haben.

Ich gehe mit dieser Situation so um, dass ich die Teilnehmer, die schon Kenntnisse haben, in die Trainerrolle hole, sie also bitte, mir zu helfen, das Thema zu erklären. Dabei können wir gleich abstimmen, ob wir die gleichen Bilder vom Thema haben und bringen die anderen Teilnehmer auf unterhaltsame Art auf unseren Stand.

Ebenso wichtig ist es, die verschiedenen Reifegrade der Teilnehmer im Blick zu behalten und sie miteinander ins Gespräch zu bringen, z.B. durch im Bezug auf Alter und Erfahrung gemischte Gruppen.

5. Bringe die Teilnehmer mit ihren eigenen Emotionen in Kontakt.

Es braucht einen emotionalen Trigger, um in unseren tief verankerten, handlungsleitenden Gehirnstrukturen Neuroplastizität - also Neuverschaltung von Synapsen- einzuleiten.

Dieser Punkt ist oft schon ein offen geäußerter Wunsch der Teilnehmer und gleichzeitig eine große Herausforderung, denn er braucht Zeit und die richtigen Techniken. Hier gilt es, das Verständnis des Auftraggebers für die nötige Zeit und Struktur des Trainings zu bekommen, damit die Teilnehmer sich sich selbst oder ggfs. anderen gegenüber öffnen können und wollen. Sensibilität und Vertraulichkeit für die Teilnehmer ist absolut essentiell und der Trainer sollte nur Techniken verwenden, die er tatsächlich verstanden hat und beherrscht.

6. Schaffe Erfahrungen

… denn aus Erfahrungen entsteht erfahrungsbedingte Neuroplastizität. Und aus diesen Erfahrungen können die Teilnehmer Kompetenzen auch für nur mittelbar vergleichbare Situationen erwerben. So haben wir beispielsweise auch sprechen gelernt und können grammatikalische Regeln wie das Beugen von Verben auf neue ähnliche Verben anwenden: Das Gehirn bildet aus Erfahrungen ohne bewusstes Mitwirkung Generalisierungen, die es dann wieder auf spezifische Situationen anwenden kann.

7. Kreiere eine angenehme Lernumgebung und sei ein Vorbild.

Wie der Raum aussieht, in dem man lernt und wie man ihn nutzt, ist wichtig für das Lernen.

Ich habe auch schon erlebt, dass man weniger schöne Orte toll nutzen kann, wenn man die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, für das Training nutzt und etwas Schönes daraus macht. Oft hilft schon ein Blumenstrauß im Raum und in der Vorbereitung eine Teamaktion für ein nettes Mittagsbuffet - und schon hat man eine wertvolle Lernerfahrung in das Training eingebunden und was nicht ideal schien, wurde zum Schatz.

8. Sei ein Vorbild.

Ebenfalls wichtig: Nicht nur was ich sage, sondern auch wie ich es sage und was ich tue, schafft eine Erfahrung beim Teilnehmer - idealerweise natürlich ein Positive.

9. Nimm die verschiedenen Lerntypen mit.

Menschen lernen auditiv, visuell, motorisch oder kommunikativ. Alle diese Lerntypen sollten sich in einem Training wiederfinden. Multisensorisches Lernen ist hier das Gebot der Stunde, wie das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig in einer Studie aus dem Jahr 2015 belegt hat.

Daher sind Visualisierungen und Dinge zum Anfassen genauso wichtig wie Bewegung und die Möglichkeit, mitzureden, z.B. in Gruppenarbeit und Rollenspielen.

10. Schaffe Herausforderungen, aber keine Angst.

Das Lernen, insbesondere das emotionale Lernen, ist ein Changeprozess im Gehirn, der als solcher schon Stress und Widerstand hervorrufen kann. Das Langzeitgedächtnis ist allerdings sehr angreifbar - bei übermäßig ausgeschütteten Stresshormonen wird es gestört. Deshalb ist es wichtig, für das Gefühl der Sicherheit zu sorgen - selbst wenn der Druck oft eher von außen als aus dem Seminar selbst kommt. Ich tue das u.a., indem ich für eine Warming-Phase in der Gruppe sorge, indem ich als externe Dritte Vertraulichkeit gegenüber meinen Auftraggebern vereinbare und den Teilnehmern dann zusichern kann, dass ich persönliche Informationen wie Sorgen, Nöte, Ängste etc. vertraulich behandeln werde und nicht intern weitergebe. So können die Teilnehmer in einem geschützten Rahmen lernen.

Lassen Sie uns ins Gespräch kommen.

Charlotte zu Knyphausen

Wirtschaftsmediatorin und Rechtsanwältin

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