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  • Charlotte zu Knyphausen

Sich als Führungskraft überflüssig machen?


“Mein Ziel ist es, mich selbst überflüssig zu machen”


Ein Satz, den man oft von Führungskräften hört. Ich muss sagen: Ich glaube kein Wort. 


Schauen wir uns mal folgende Situation an: Ein Gründungspartner einer größeren Anwaltskanzlei ist nun 65 Jahre alt und möchte sich aus dem Berufsleben zurückziehen. Er gibt also formell immer mehr Verantwortung ab. Trotzdem berichten seine Kolleg*innen, dass er noch zehn Jahre später fast täglich in der Kanzlei vorbeischaut, sich die Akten vorlegen lässt, Input gibt und in allen entscheidenden Fragen mitentscheidet. 


Mühsam? Manchmal vielleicht ja. Und: Es ist menschlich. 


Wie kommt das? Wir Menschen brauchen eine Antwort darauf, wo unser Platz ist, eine Antwort darauf, was unseren Selbstwert ausmacht. Wir brauchen eine Antwort darauf, warum es uns überhaupt geben darf! Das hat also etwas mit Überlebenstrieb zu tun. 


Sich überflüssig zu machen, das funktioniert innerlich nicht. Es funktioniert nur situativ, also dann, wenn wir uns “hier” überflüssig machen wollen, um andernorts wirken zu können. Es funktioniert unter Wachstumsbedingungen, aber nicht dann, wenn wir Angst haben, dass nach dem Überflüssig machen das gefühlte Nichts warten könnte. Selbst in spirituellen Konzepten gibt es im totalen Loslassen so etwas wie ein "Für - Etwas".


Dennoch kann es uns natürlich passieren, dass wir mit dem, was wir bisher getan haben, nicht mehr gebraucht werden. Das löst existentielle Gefühle in uns aus, die wir oft mit Flucht, Kampf oder Erstarren beantworten. 


Hier gibt es auch keine einfache Antwort darauf. 


Was der o.g. Anwalt tun könnte: Anerkennen, was für ihn schwer ist. Für sich gut sorgen, um den Übergang für sich selbst verträglich zu gestalten. Das Dilemma vielleicht sogar offen ansprechen, statt intransparent mitregieren. Sich Wirkungsfelder außerhalb der Kanzlei suchen. Innerhalb der Kanzlei Klarheit über sein Mitwirken schaffen und leben. 


Was uns hilft, ist die Wahrhaftigkeit uns selbst gegenüber, wenn es mal schwer ist. Und dann immer wieder in sich anzukommen und sich ein gutes Selbstgefühl zu entwickeln. Ein Selbstgefühl dafür, dass wir fähig sind, immer wieder ins Gestalten zu kommen. 


Wie geht es Ihnen damit? Haben Sie Freude daran, sich überflüssig zu machen?

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